Einmal um die Welt
Reisen im Schulgebäude

Ich möchte diesen Artikel mit einem subjektiven Rückblick beginnen. Es ist der Tag vor der Hocketse: Anna und Lena basteln zusammen an einer Girlande für das Klassenzimmer, das sie, wie alle Klassen, passend zu einem zugelosten Land gestalten sollen. Lena kommt aus Deutschland, Anna aus der Ukraine; aber das ist in diesem Moment egal. Es geht nur darum, wer die Heißklebepistole und wer die Schnur hält und so ergibt sich nach und nach der Schriftzug: Bienvenidos a Uruguay.

Ich habe diesen Moment ausgewählt, weil er für mich genau das Motto veranschaulicht, unter dem die Veranstaltung steht: Transkulturalität. Wir gehen davon aus, dass sich Kulturen nicht klar voneinander abgrenzen lassen, sondern (auch infolge der Globalisierung) zunehmend vernetzt und vermischt werden. Der Fokus liegt also nicht darauf, was Kulturen voneinander unterscheidet, sondern wo die Überschneidungen liegen. Unter Berücksichtigung dieses Aspekts fällt bei der Begehung der Räume auf, dass die Länder, die ihnen innewohnen, viele Dinge gemeinsam haben, so verschieden sie auf den ersten Blick auch wirken mögen.

Am Dienstagnachmittag eröffnen Schülersprecherin Abigail Kebede und Schulleiterin Melanie Süß unter großem Applaus der Schülerschaft, Lehrkräften und Eltern die „Reise um die Welt“.

Die länderspezifischen Räume erstrecken sich über das A-Gebäude und den Modulbau und sind in Abschnitten nach Kontinenten sortiert. In den Räumen gibt jede Klasse durch kreative Umsetzung einen Einblick in „ihr” Land. Während die Besucher marokkanische Tajine, albanische Helva, oder auch belgische Waffeln kaufen und kosten können, hat jeder Schüler auch die Möglichkeit, den eigenen “Reisepass” mit Stempeln zu füllen, indem verschiedene Aufgaben absolviert werden. Das kann beispielsweise das Erraten von Gewürzen, ein länderspezifisches Memory, oder – wie im Raum der Schweiz –Dosenwerfen auf Ovomaltine-Dosen sein. Alle Räume vereint, dass sie sehr farbenfroh dekoriert sind und dass eben nicht nur hervorgehoben wird, was das Land spezifisch besonders macht, sondern auch wo die Gemeinsamkeiten mit Deutschland und anderen Ländern liegen. Jiaozi, Maultaschen und Ravioli – Wussten Sie, dass Teigtaschen überall auf der Welt gegessen werden?

Ein weiterer Aspekt, der sofort auffällt, ist der Fußball, der in fast jedem Raum zu finden ist. Aber auch Werte wie Gastfreundschaft werden in vielen Ländern thematisiert; selbst über die Kontinentalgrenzen hinweg. Auch unter den Funfacts finden sich überraschende Überschneidungen: So eint Australien und Deutschland, dass beide Bevölkerungen gerne (viel) Bier trinken. Aber auch ernste Themen werden angesprochen, wenn es um Umweltkatastrophen geht, die sich nicht auf einzelne Länder beschränken, sondern die ganze Welt betreffen.

So kann man aus dieser Veranstaltung nicht nur lernen, dass in Uruguay auch Fußball gespielt wird, sondern auch, dass die Kulturen anderer Länder im besten Sinne des Wortes keine fremde, ferne und verschlossene Räume sind, sondern dass sie (wie auf unserer Hocketse heute) offenstehen und es sich lohnt, einen Blick hineinzuwerfen, um erkennen zu können, dass die Menschen und Kulturen dieser Welt gar nicht so verschieden sind, wie wir oft glauben.

Von Lena Potzinger, K1

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