Klasse 10a zu Besuch...
...beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg

Einblicke in die Arbeit von Ermittlerinnen und Ermittlern, die man sonst nur aus Krimis kennt: Die Klasse 10a besuchte gemeinsam mit Frau Pilz und Herrn Cinquemani das Landeskriminalamt Baden-Württemberg (LKA) in Bad Cannstatt.

Kurz vor 9 Uhr stand die Klasse vor dem von außen eher unscheinbaren Gebäude – nur die Flaggen vor dem Eingang und der Leitspruch „Bereit für Sicherheit“ deuteten darauf hin, dass hier die zentralen Kriminalfälle des Landes bearbeitet werden. Empfangen wurde die Gruppe von Pressesprecher Jürgen Glodek, der den Vormittag mit einigen beeindruckenden Zahlen eröffnete: Rund 1.350 Mitarbeitende – darunter 51 Prozent Frauen – arbeiten am LKA, das pro Jahr etwa 7.500 Spuren aufnimmt und sichert. Hier laufen Beweise und Spuren aus dem ganzen Land zusammen, unabhängig davon, welcher Kriminalfall dahintersteckt. Eine Besonderheit: Das LKA Baden-Württemberg ist eines der wenigen Landeskriminalämter, das auch Pflanzen-DNA analysieren kann.

Der erste inhaltliche Block führte in den Sektor Staatsschutz und Antiterrorismus. In einem Vortrag über politisch und religiös motivierte Straftaten lernte die Klasse zunächst die Sicherheitsarchitektur der Bundesrepublik kennen – insbesondere die wichtige Schnittstelle zwischen Polizei und Nachrichtendiensten: Während die Nachrichtendienste Informationen sammeln und auswerten, ist die Polizei für Festnahmen und Zwangsmaßnahmen zuständig.

Anschließend wurden die verschiedenen Phänomenbereiche vorgestellt: Rechtsextremismus, Linksextremismus, „Reichsbürger“ und islamistischer Terrorismus – mit konkreten Beispielen von rechten Kampfsportveranstaltungen und Rechtsrockkonzerten über Sachbeschädigungen bis hin zu Propaganda in Computerspielen. Auch der Fall der „Gruppe S“ aus Baden-Württemberg, die Anschläge auf Moscheen geplant hatte, kam zur Sprache. Besonders aktuell: die Themen Spionage und Sabotage, etwa durch Drohnen oder über soziale Medien wie TikTok. Eindrücklich wurde dabei, wie viel Ermittlungsarbeit hinter der Prävention von Terroranschlägen steckt.

Im zweiten Block stand die Abteilung Cybercrime mit ihren beiden Bereichen „Digitale Beweismittel“ und „Digital Forensics“ im Mittelpunkt. Deutlich wurde dabei die Entwicklung der Kriminaltechnik: Was früher die Daktyloskopie (Fingerabdruckanalyse) und später die DNA-Analyse war, sind heute die digitalen Spuren. Um sie zu sichern und auszuwerten, arbeiten Spezialistinnen und Spezialisten ganz unterschiedlicher Fachrichtungen zusammen – Informatik, IT-Forensik, Kryptologie, Mathematik, Ingenieurwesen, Phonetik und klassische Polizeiarbeit. Beeindruckend war etwa die Audioreduktion: Dabei werden störende Geräusche aus Aufnahmen herausgefiltert, sodass Gespräche verständlich werden. Das LKA arbeitet dabei auch international eng mit Partnern wie Europol zusammen.

Neben den großen Themen bleiben auch die kleinen Beobachtungen im Gedächtnis: Das LKA erreicht man mit der Stadtbahnlinie U13 – einer sogenannten Tangentiallinie, die die Stadtteile ringförmig verbindet, ohne durch das Stuttgarter Zentrum zu fahren. Vor dem Gebäude wehten an diesem Tag Trauerflaggen, weil ein 53-jähriger Polizeibeamter der Verkehrspolizei beim Polizeipräsidium Aalen ist im Dienst verstorben war. Das Innenministerium Baden-Württemberg hatte die landesweite Trauerbeflaggung an Dienstgebäuden der Polizei angeordnet.

Gelernt haben wir auch, dass das LKA nicht nur Spuren sichert, sondern sich auf dem eigenen Gelände mit einer Bienenwiese auch für den Artenschutz einsetzt. Und wer den Weg zur Toilette in den Keller antritt, erlebt das Gebäude noch einmal von seiner geheimnisvollen Seite. Immerhin: Besucher-WLAN gibt es – das Passwort muss man sich allerdings erst verdienen.

Der Vormittag am LKA hat gezeigt, wie vielfältig moderne Polizeiarbeit ist: vom Schutz unserer Demokratie bis zur digitalen Forensik. Nebenbei wurde deutlich, wie viele unterschiedliche Berufswege ans LKA führen – vom klassischen Polizeidienst über Informatik, IT-Forensik und Ingenieurwesen bis hin zu Kryptologie, Mathematik und Phonetik. Für alle, die sich für eine Zukunft in diesem Umfeld interessieren, war das ein spannender Blick auf mögliche Berufsbilder. Die Klasse 10a bedankt sich herzlich beim LKA Baden-Württemberg und ganz besonders Herrn Glodek für die tollen Einblicke.

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