Geschichte
Damals wie heute... Der Fachbreich Geschichte stellt sich vor

„Warum fesseln uns die Geschichten? Darauf gibt es nur die ‚hermeneutische‘ Antwort: Weil wir uns im Andern, im Andern der Menschen, im Andern des Geschehens wiedererkennen.“*

Das, was wir „Geschichte“ nennen, ist uns letztlich in „Geschichten“ greifbar. Wenn diese „Geschichten“ aufgeschrieben oder in anderer medialer Form übermittelt werden, sind sie es, die uns ermöglichen, herauszufinden, „wie es gewesen sein könnte“. Diese Geschichten können interessant, manchmal aber auch fremd sein. Sie können uns anziehen und fesseln, manchmal aber auch abstoßen. Faszinierend sind diese Geschichten zumeist aber, weil sie uns in irgendeiner Form persönlich betreffen. Schließlich sind diese Geschichten gelebtes Leben.

Unsere SchülerInnen sollen im Geschichtsunterricht die Möglichkeit erhalten, vergangene Geschichten zu rekonstruieren, um eine Antwort formulieren zu können, „wie es gewesen sein könnte“. Dabei lernen sie Quellen zu analysieren, Zusammenhänge zu erkennen und kritisch zu beurteilen. Multiperspektivität, Kontroversität und Problemorientierung, Exemplarität, Alterität und Fremdverstehen sind dabei leitende Prinzipien eines handlungs- und kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts. Schließlich besitzt Vergangenes hohe Relevanz für unsere Gegenwart. Denn die Geschichten fesseln uns hoffentlich nicht nur, sondern ermöglichen, uns kritisch mit Entwicklungen in der Vergangenheit, aber auch in unserer Gegenwart auseinanderzusetzen.

Da diese Geschichten oft an und von Orten erzählt werden, ist es uns ein Anliegen, dass unsere SchülerInnen Exkursionen unternehmen, um den Lernort Schule zu verlassen und diesen Geschichten vor Ort nachzuspüren – z. B. im mittelalterlichen Esslingen, im Barockschloss Ludwigsburg, auf einem römischen Gutshof oder auch in zahlreichen Museen der Region. In der Kursstufe ist der Besuch einer NS-Gedenkstätte obligatorisch.

Auch wenn uns diese Geschichten betreffen und wir in der Geschichte das ein oder andere von uns selbst wiedererkennen können, sollen unsere SchülerInnen in analytischen und handlungsorientierten Zugängen kritisch zu hinterfragen lernen, warum diese Geschichten so und nicht anders erzählt wurden.

 

(M. Dengler)

 

*Zitatnachweis: Hans-Georg Gadamer, Historik und Sprache, in: R. Koselleck, Zeitschichten. Studien zur Historik, Frankfurt a. M. 2000, S. 126.